Heilmittel-Richtlinie und -Katalog für Zahnärzte

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Heilmittel-Richtlinie und -Katalog für Zahnärzte

07. April 2017 | 
Zum 1. Juli 2017 kommt die Heilmittel-Richtlinie und der Heilmittel-Katalog für Zahnärzte.

Das Thema war schon lange in der Diskussion, am 15. Dezember 2016 hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Erstfassung einer Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte (HeilM-RL ZÄ) verabschiedet. Diese soll Rechtssicherheit bei der Heilmittelverordnung durch Zahnärzte und Kieferorthopäden schaffen.

 

Eine Heilmittelverordnung kann vom Zahnarzt dann erstellt werden, wenn er beim Patienten Erkrankungen, Heilungs- oder Funktionsstörungen im Mund-, Kiefer- oder Gesichtsbereich diagnostiziert. Spezifische Einsatzgebiete für physiotherapeutische Berufsgruppen sind:

  • Manuelle Therapie bei Gelenkblockaden
  • Lympdrainage zur Ableitung gestauter Gewebeflüssigkeiten
  • Physiotherapie bei Bewegungsstörungen und Physiotherapie bei neurologischen Erkrankungen mit Auswirkungen auf den Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich

    Falls dies erforderlich ist, können mit zahnärztlich verordneten Heilmitteln nicht nur der Mund- und Kieferbereich selbst, sondern auch die anatomisch direkt angrenzenden oder funktionell unmittelbar mit der Kau- und Kiefermuskulatur in Zusammenhang stehenden Strukturen (Craniomandibuläres System) mitbehandelt werden.

 

Die neue HeilM-RL Zahnärzte regelt nun die grundlegenden Voraussetzungen zur Verordnung von Heilmitteln. Der enthaltene Heilmittel-Katalog ordnet das Heilmittel der entsprechenden Indikation zu, beschreibt das Ziel und legt die Frequenz fest. Wenn das Bundesministerium für Gesundheit keine Beanstandungen hat, tritt die HeilM-RL mit HeilM-Katalog für Zahnärzte zum 1.7.2017 in Kraft.

 

Hintergrund

 

Bei krankheitsbedingten strukturellen oder funktionellen Schädigungen des Mund-, Kiefer oder Gesichtsbereichs dürfen Zahnärzte und Kieferorthopäden bereits jetzt bestimmte Maßnahmen der Physiotherapie, der Physikalischen Therapie oder der Sprech- und Sprachtherapie verordnen.

Eine eigene Richtlinie zur Verordnung von Heilmitteln durch Zahnärzte gab es aber bislang nicht. Somit gab es auch kein einheitliches Verordnungsverhalten. Seit 2002 bestand nur eine vertragliche Übereinkunft zwischen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und den damaligen Spitzenverbänden der Krankenkassen, die Heilmittelverordnungen für Vertragszahnärzte in geringem Umfang möglich machte.

Die Verordnungsverfahren waren jedoch nicht genau geregelt. Im April 2014 hatte der G-BA beschlossen, dass vertragszahnärztliche Spezifika für die Verordnung von Heilmitteln in einer eigenen Richtlinie mit einem eigenen Heilmittel-Katalog für den vertragszahnärztlichen Sektor verortet werden sollen. Die neue Heilmittelrichtlinie schafft nun Klarheit. 

 

Zwei Teile der Heilmittel-Richtlinie

 

Die neue Richtlinie gliedert sich in zwei Teile. Ein allgemeiner Teil regelt die grundlegenden Voraussetzungen zur Verordnung von Heilmitteln durch Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte. Der zweite Teil umfasst den Heilmittelkatalog Zahnärzte. Er ordnet einzelnen medizinischen Indikationen das jeweilige verordnungsfähige Heilmittel zu, beschreibt das Ziel der jeweiligen Therapie und legt die Verordnungsmengen im Regelfall fest. 

Physikalische Therapie ist demnach als verordnungsfähiges Heilmittel vorgesehen bei: 

 

  • Craniomandibulären Störungen
  • Fehlfunktionen bei angeborenen cranio- und orofazialen Fehlbildungen und Fehlfunktionen bei Störungen des ZNS
  • Chronifiziertem Schmerzsyndrom
  • Lymphabflussstörungen

Sprech- und Sprachtherapie ist vorgesehen bei: 

  • Störungen des Sprechens
  • Störungen des oralen Schluckakts 
  • Orofazialen Funktionsstörungen

Die neue Heilmittel-Richtlinie und den Heilmittel-Katalog Zahnärzte stellen wir Ihnen (vorbehaltlich der Nichtbeanstandung durch das BMG) im geschützen Mitgliederbereich unter "Allgemeine Infos" zum Download zur Verfügung.